Endometriose
Eine chronische Erkrankung, die oft lange unerkannt bleibt — aber gut behandelt werden kann. Wir nehmen Ihre Beschwerden ernst und unterstützen Sie auf dem Weg zur Diagnose und Therapie.
Warum Endometriose oft übersehen wird
aller Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen
vergehen bis zur Diagnose, weil die Beschwerden vielfältig sind und nicht immer eindeutig zugeordnet werden
der betroffenen Frauen haben Fruchtbarkeitsprobleme
betroffene Frauen in Deutschland (Schätzung)
Was bedeutet Endometriose eigentlich?
Vier Begriffe, die im Gespräch mit der Ärztin immer wieder fallen — kurz und präzise erklärt.
- Endometriose
- Chronische, östrogenabhängige Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst — etwa am Bauchfell, an Eierstöcken, Eileitern oder tiefer im Beckenraum.
- Adenomyose
- Sonderform, bei der endometriale Zellen in die Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium) einwachsen. Typisch: verstärkte, schmerzhafte Regelblutung und diffuse Unterbauchschmerzen.
- Endometriom
- Zystische Form an den Eierstöcken, umgangssprachlich „Schokoladenzyste" genannt — gefüllt mit eingedicktem, altem Blut. Wird per Ultraschall gut sichtbar.
- Tief infiltrierende Endometriose (TIE)
- Tief in das Bauchfell oder in Nachbarorgane (Darm, Blase, Sakrouterinligamente) einwachsende Herde. Meist die schmerzhafteste Form — die aktuelle S2k-Leitlinie 2025 bildet sie über die #ENZIAN-Klassifikation präziser ab.
Anzeichen erkennen
Endometriose zeigt sich in vielen Formen. Bei diesen Beschwerden lohnt es sich, gezielt nachzufragen.
Die vier rASRM-Stadien
Die international genutzte Einordnung der American Society for Reproductive Medicine — Grundlage für Therapieentscheidungen. Wichtig: Das Stadium sagt nichts über die Schwere der Beschwerden aus.
Stadium I
Vereinzelte oberflächliche Herde am Bauchfell ohne nennenswerte Verwachsungen. Die Beschwerden können trotz niedrigem Stadium ausgeprägt sein.
Stadium II
Zusätzlich tiefere Herde und/oder erste Verwachsungen. Weiterhin überwiegend gute Prognose für konservative Therapieoptionen.
Stadium III
Ausgeprägte Herde, häufig Endometriome (Schokoladenzysten) an einem oder beiden Eierstöcken sowie deutlichere Verwachsungen.
Stadium IV
Ausgedehnte Herde, große Endometriome und flächige Verwachsungen — häufig mit Beteiligung von Darm, Blase oder Douglas-Raum (TIE).
Für tief infiltrierende Endometriose (TIE) ergänzt die aktuelle S2k-Leitlinie 2025 die #ENZIAN-Klassifikation, die Lokalisation und Tiefe der Herde präziser abbildet. Beide Einordnungen erfolgen ärztlich.
Wie wir vorgehen
Vier strukturierte Schritte — vom Erstgespräch bis zur weiterführenden Abklärung.
Erfassung Ihrer Beschwerden, des Schmerzcharakters und der Krankengeschichte in einem persönlichen Gespräch.
Tastuntersuchung zur Beurteilung von Gebärmutter, Eierstöcken und umgebendem Gewebe.
Bildgebende Darstellung zur Erkennung von Zysten, Herden und strukturellen Veränderungen. Endometriome und Adenomyose sind hier häufig gut sichtbar.
Je nach Befund können ergänzende Untersuchungen wie MRT oder eine diagnostische Laparoskopie sinnvoll sein — bei Verdacht auf tief infiltrierende Endometriose in Absprache mit einem Endometriose-Zentrum.
Welche Wege es gibt
Die passende Therapie wird individuell abgestimmt — je nach Befund, Beschwerden und persönlichen Zielen.
Medikamentöse Schmerztherapie
Schmerzmittel können helfen, zyklusabhängige Beschwerden zu lindern. Auswahl und Anwendung werden individuell im persönlichen Gespräch besprochen.
Hormonelle Therapie
Verschiedene hormonelle Therapieansätze können die zyklische Aktivität der Endometriose-Herde beeinflussen. Welche Option in Frage kommt, hängt von Beschwerden, Kinderwunschplanung und Verträglichkeit ab — das klären wir gemeinsam.
Operative Therapie · Überweisung
Bei ausgeprägten Befunden oder unzureichendem Ansprechen ist eine diagnostische oder therapeutische Laparoskopie sinnvoll. Wir überweisen Sie an ein spezialisiertes Endometriose-Zentrum und begleiten Sie in der Nachsorge.
Begleitende Maßnahmen
Physiotherapie, Ernährungsberatung, Stressreduktion oder Akupunktur können das Wohlbefinden unterstützen. Sie ersetzen keine ursächliche Therapie, sondern ergänzen sie.
Kinderwunsch & Endometriose
Endometriose kann ein Mit-Faktor bei unerfülltem Kinderwunsch sein. Diagnostik (TVU, AMH) und weitere Schritte koordinieren wir bei Bedarf mit reproduktionsmedizinischen Zentren.
Auf welcher Grundlage wir arbeiten
Unsere Diagnostik- und Therapie-Empfehlungen orientieren sich an aktuellen deutschen und europäischen Fachleitlinien.
Diagnostik und Therapie der Endometriose (AWMF 015-045)
Aktuelle deutsche Leitlinie (Update 2025) — bildet die Grundlage für Diagnostik, Klassifikation (rASRM + #ENZIAN) und Therapieplanung.
ESHRE Endometriosis Guideline
Europäische Leitlinie der ESHRE — Empfehlungen zu bildgebender Diagnostik, medikamentöser und operativer Therapie sowie Kinderwunsch-Management.
Verzögerungszeit bis zur Diagnose
Studien zeigen konsistent, dass zwischen erstem Symptom und gesicherter Diagnose oft mehrere Jahre vergehen — vor allem, weil starke Regelschmerzen häufig bagatellisiert werden.
Zertifizierte Endometriose-Zentren
Bei komplexen Befunden (TIE, wiederholte Operationen, Kinderwunsch) empfehlen die Fachgesellschaften die Behandlung in einem zertifizierten Zentrum (Stufe I–III nach EEL / SEF).
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