Zum Inhalt springen
— Gynäkologie · Endometriose —

Endometriose

Eine chronische Erkrankung, die oft lange unerkannt bleibt — aber gut behandelt werden kann. Wir nehmen Ihre Beschwerden ernst und unterstützen Sie auf dem Weg zur Diagnose und Therapie.

DiagnostikBeratungTherapie
Endometriose in Zahlen

Warum Endometriose oft übersehen wird

~10 %

aller Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen

Oft Jahre

vergehen bis zur Diagnose, weil die Beschwerden vielfältig sind und nicht immer eindeutig zugeordnet werden

30–50 %

der betroffenen Frauen haben Fruchtbarkeitsprobleme

rund 4 Mio.

betroffene Frauen in Deutschland (Schätzung)

Wichtige Begriffe

Was bedeutet Endometriose eigentlich?

Vier Begriffe, die im Gespräch mit der Ärztin immer wieder fallen — kurz und präzise erklärt.

Endometriose
Chronische, östrogenabhängige Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst — etwa am Bauchfell, an Eierstöcken, Eileitern oder tiefer im Beckenraum.
Adenomyose
Sonderform, bei der endometriale Zellen in die Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium) einwachsen. Typisch: verstärkte, schmerzhafte Regelblutung und diffuse Unterbauchschmerzen.
Endometriom
Zystische Form an den Eierstöcken, umgangssprachlich „Schokoladenzyste" genannt — gefüllt mit eingedicktem, altem Blut. Wird per Ultraschall gut sichtbar.
Tief infiltrierende Endometriose (TIE)
Tief in das Bauchfell oder in Nachbarorgane (Darm, Blase, Sakrouterinligamente) einwachsende Herde. Meist die schmerzhafteste Form — die aktuelle S2k-Leitlinie 2025 bildet sie über die #ENZIAN-Klassifikation präziser ab.
Mögliche Symptome

Anzeichen erkennen

Endometriose zeigt sich in vielen Formen. Bei diesen Beschwerden lohnt es sich, gezielt nachzufragen.

Dysmenorrhoe (starke Regelschmerzen)

Schmerzen, die mit zunehmender Zyklusdauer stärker werden und den Alltag deutlich beeinträchtigen — ein typisches Leitsymptom der Endometriose.

Dyspareunie (Schmerzen beim Sex)

Tief sitzender Schmerz beim Geschlechtsverkehr, vor allem bei tieferer Penetration. Hinweis auf Endometriose-Herde im Bereich Douglas-Raum oder Sakrouterinligamente.

Dyschezie (Schmerz beim Stuhlgang)

Zyklusabhängige Schmerzen beim Stuhlgang können auf Herde am Darmperitoneum hinweisen. Auch einzelne dieser Beschwerden sind ein Grund zur Abklärung — nicht jede Patientin hat alle Symptome.

Dysurie (Schmerz beim Wasserlassen)

Zyklusabhängige Schmerzen beim Wasserlassen können auf eine Beteiligung der Blasenwand hinweisen.

Chronischer Unterbauchschmerz

Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen unabhängig vom Zyklus — oft begleitet von Reizdarm-ähnlicher Symptomatik (Komorbidität gehäuft).

Unerfüllter Kinderwunsch

Bei rund 30–50 % der Frauen mit Endometriose mit-ursächlich. Hormonelle und mechanische Faktoren (Adhäsionen, Endometriome) können die Konzeption erschweren.

Chronische Erschöpfung

Anhaltende Müdigkeit als Folge der chronischen Schmerz- und Krankheitsbelastung — multifaktorielle Mechanismen (Schmerz, Schlaf, Hormone, bei Hypermenorrhoe ggf. Anämie). Wird häufig unterschätzt.

Klassifikation

Die vier rASRM-Stadien

Die international genutzte Einordnung der American Society for Reproductive Medicine — Grundlage für Therapieentscheidungen. Wichtig: Das Stadium sagt nichts über die Schwere der Beschwerden aus.

Minimal
1–5 Punkte

Stadium I

Vereinzelte oberflächliche Herde am Bauchfell ohne nennenswerte Verwachsungen. Die Beschwerden können trotz niedrigem Stadium ausgeprägt sein.

Mild
6–15 Punkte

Stadium II

Zusätzlich tiefere Herde und/oder erste Verwachsungen. Weiterhin überwiegend gute Prognose für konservative Therapieoptionen.

Moderat
16–40 Punkte

Stadium III

Ausgeprägte Herde, häufig Endometriome (Schokoladenzysten) an einem oder beiden Eierstöcken sowie deutlichere Verwachsungen.

Schwer
> 40 Punkte

Stadium IV

Ausgedehnte Herde, große Endometriome und flächige Verwachsungen — häufig mit Beteiligung von Darm, Blase oder Douglas-Raum (TIE).

Für tief infiltrierende Endometriose (TIE) ergänzt die aktuelle S2k-Leitlinie 2025 die #ENZIAN-Klassifikation, die Lokalisation und Tiefe der Herde präziser abbildet. Beide Einordnungen erfolgen ärztlich.

Diagnostik

Wie wir vorgehen

Vier strukturierte Schritte — vom Erstgespräch bis zur weiterführenden Abklärung.

01
Ausführliche Anamnese

Erfassung Ihrer Beschwerden, des Schmerzcharakters und der Krankengeschichte in einem persönlichen Gespräch.

02
Gynäkologische Untersuchung

Tastuntersuchung zur Beurteilung von Gebärmutter, Eierstöcken und umgebendem Gewebe.

03
Ultraschall (Vaginalsonographie)

Bildgebende Darstellung zur Erkennung von Zysten, Herden und strukturellen Veränderungen. Endometriome und Adenomyose sind hier häufig gut sichtbar.

04
Weiterführende Diagnostik bei Bedarf

Je nach Befund können ergänzende Untersuchungen wie MRT oder eine diagnostische Laparoskopie sinnvoll sein — bei Verdacht auf tief infiltrierende Endometriose in Absprache mit einem Endometriose-Zentrum.

Therapieoptionen

Welche Wege es gibt

Die passende Therapie wird individuell abgestimmt — je nach Befund, Beschwerden und persönlichen Zielen.

Medikamentöse Schmerztherapie

Schmerzmittel können helfen, zyklusabhängige Beschwerden zu lindern. Auswahl und Anwendung werden individuell im persönlichen Gespräch besprochen.

Hormonelle Therapie

Verschiedene hormonelle Therapieansätze können die zyklische Aktivität der Endometriose-Herde beeinflussen. Welche Option in Frage kommt, hängt von Beschwerden, Kinderwunschplanung und Verträglichkeit ab — das klären wir gemeinsam.

Operative Therapie · Überweisung

Bei ausgeprägten Befunden oder unzureichendem Ansprechen ist eine diagnostische oder therapeutische Laparoskopie sinnvoll. Wir überweisen Sie an ein spezialisiertes Endometriose-Zentrum und begleiten Sie in der Nachsorge.

Begleitende Maßnahmen

Physiotherapie, Ernährungsberatung, Stressreduktion oder Akupunktur können das Wohlbefinden unterstützen. Sie ersetzen keine ursächliche Therapie, sondern ergänzen sie.

Kinderwunsch & Endometriose

Endometriose kann ein Mit-Faktor bei unerfülltem Kinderwunsch sein. Diagnostik (TVU, AMH) und weitere Schritte koordinieren wir bei Bedarf mit reproduktionsmedizinischen Zentren.

Leitlinien & Evidenz

Auf welcher Grundlage wir arbeiten

Unsere Diagnostik- und Therapie-Empfehlungen orientieren sich an aktuellen deutschen und europäischen Fachleitlinien.

S2K-LEITLINIE

Diagnostik und Therapie der Endometriose (AWMF 015-045)

Aktuelle deutsche Leitlinie (Update 2025) — bildet die Grundlage für Diagnostik, Klassifikation (rASRM + #ENZIAN) und Therapieplanung.

ESHRE 2022

ESHRE Endometriosis Guideline

Europäische Leitlinie der ESHRE — Empfehlungen zu bildgebender Diagnostik, medikamentöser und operativer Therapie sowie Kinderwunsch-Management.

DIAGNOSTIK-VERZUG

Verzögerungszeit bis zur Diagnose

Studien zeigen konsistent, dass zwischen erstem Symptom und gesicherter Diagnose oft mehrere Jahre vergehen — vor allem, weil starke Regelschmerzen häufig bagatellisiert werden.

ENDO-ZENTREN

Zertifizierte Endometriose-Zentren

Bei komplexen Befunden (TIE, wiederholte Operationen, Kinderwunsch) empfehlen die Fachgesellschaften die Behandlung in einem zertifizierten Zentrum (Stufe I–III nach EEL / SEF).

Häufige Fragen

Antworten auf häufige Fragen

Termin

Beratung vereinbaren.

Vereinbaren Sie einen Termin — wir nehmen Ihre Beschwerden ernst und nehmen uns Zeit.