Hormonsprechstunde
Individuelle Hormondiagnostik und Beratung bei Wechseljahresbeschwerden, Zyklusstörungen, PMS und weiteren hormonellen Themen.
Wann eine Hormonsprechstunde helfen kann
Hormonelle Beschwerden zeigen sich oft vielfältig. Die folgenden Themen sind typische, aber nicht abschließende Anlässe — auch andere Beschwerden können hormonell mitbedingt sein. Sprechen Sie uns gerne an.
Vier Lebensphasen
Hormonelle Themen verändern sich mit dem Lebensalter. Jede Phase bringt eigene Fragen.
In der Pubertät beginnt der Körper, verstärkt Geschlechtshormone zu produzieren. Zyklusunregelmäßigkeiten sind in den ersten Jahren häufig und in der Regel kein Grund zur Sorge. Bei ausbleibender Regelblutung oder starken Beschwerden kann eine Abklärung sinnvoll sein.
Im reproduktiven Alter spielen Hormone eine zentrale Rolle für den Zyklus, die Fruchtbarkeit und das allgemeine Wohlbefinden. Zyklusstörungen, PMS oder Kinderwunsch sind häufige Anlässe für eine hormonelle Abklärung.
Die Perimenopause bezeichnet die Übergangsphase vor der letzten Menstruation. Schwankende Hormonspiegel können zu unregelmäßigen Zyklen, Hitzewallungen und Schlafstörungen führen. Eine individuelle Beratung kann helfen, Beschwerden einzuordnen und zu behandeln.
Nach der letzten Menstruation sinken die Östrogen- und Progesteronspiegel dauerhaft. Dies kann sich auf Knochengesundheit, Herz-Kreislauf-System und Lebensqualität auswirken. Gemeinsam besprechen wir, ob und welche Maßnahmen für Sie sinnvoll sein können.
Wie wir vorgehen
Hormonanalyse · zyklusgerecht
Östradiol, Progesteron, FSH, LH, Prolaktin, Gesamttestosteron, SHBG und AMH werden je nach Fragestellung gezielt abgenommen — der ärztlich festgelegte Zyklustag ist entscheidend für die Aussagekraft. AMH und die Antralfollikelzahl (AFC) im Ultraschall gelten als verlässliche Marker der Eierstockreserve.
Zyklusmonitoring
Sonographische und hormonelle Verlaufskontrolle über einen oder mehrere Zyklen — zur Beurteilung von Follikelreifung, Eisprung und Endometriumaufbau.
Schilddrüsendiagnostik
TSH, fT3, fT4 — bei Auffälligkeiten ergänzt um TPO- und TG-Antikörper (Hashimoto-Thyreoiditis-Diagnostik). Die Schilddrüse beeinflusst Zyklus, Stimmung und Stoffwechsel oft erheblich.
Androgen-Status
Bei Verdacht auf PCOS oder Hyperandrogenämie nutzen wir Gesamttestosteron und SHBG (zur Berechnung des freien Androgen-Index), ergänzt um DHEAS und bei Bedarf 17-OH-Progesteron. Eine weitergehende Nebennieren-Diagnostik erfolgt nur bei spezifischem klinischem Verdacht.
Ultraschall
Ergänzende bildgebende Beurteilung von Uterus, Endometriumaufbau, Ovarien (Follikelzahl, AFC), ggf. Schilddrüse.
Welche Möglichkeiten es gibt
Die passende Therapie entsteht im Gespräch — auf Basis Ihrer Diagnostik, Ihrer Beschwerden und Ihrer persönlichen Ziele.
Die Hormonersatztherapie nutzt heute überwiegend körperidentische Hormone (gelegentlich „bioidentisch" genannt) — das entspricht dem Leitlinien-Standard. In einem ausführlichen Beratungsgespräch wägen wir gemeinsam Nutzen und mögliche Risiken ab und finden die für Sie passende Anwendungsform. Individuell in Apotheken gemischte Hormoncocktails sind nicht ausreichend studienbelegt und gehören nicht zur leitlinienkonformen Therapie.
Pflanzliche Präparate können bei leichten bis mittleren Beschwerden unterstützend in Frage kommen. Welche Optionen für Sie sinnvoll sind, besprechen wir im persönlichen Beratungsgespräch.
Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und Schlafhygiene haben einen nachweisbaren Einfluss auf den Hormonhaushalt. Wir besprechen alltagstaugliche Maßnahmen, die Ihre Beschwerden positiv beeinflussen können.
Bestimmte Mikronährstoffe wie Vitamin D, Magnesium, B-Vitamine oder Omega-3-Fettsäuren können den Hormonhaushalt unterstützen. Eine gezielte Supplementierung wird auf Basis Ihrer individuellen Laborergebnisse empfohlen.
Bioidentische Hormone — der aktuelle Standard
Bioidentische Hormone haben molekular exakt dieselbe Struktur wie die Hormone, die der Körper selbst produziert. Aktuelle Leitlinien präferieren diese Anwendung bei geeigneter Indikation.
- Molekular identisch mit körpereigenen Hormonen (17β-Östradiol, Progesteron mikronisiert)
- Transdermale Anwendung umgeht die Leberpassage — geringeres Thromboserisiko
- Aktuelle Leitlinien (S3, NAMS, IMS) präferieren diese Anwendung bei geeigneter Indikation
- Klare Abgrenzung: „bioidentisch" bezieht sich auf die molekulare Struktur — nicht auf einen bestimmten Hersteller
- Individuell abgestimmte Dosierung, regelmäßige Kontrollen
Nutzen und Risiken im Gespräch
Jede Hormontherapie erfordert eine individuelle Abwägung von möglichem Nutzen und möglichen Risiken — auf Basis Ihrer persönlichen Situation.
Möglicher Nutzen einer Hormontherapie
- Deutliche Linderung von Hitzewallungen und Schweißausbrüchen
- Verbesserung von Schlaf, Stimmung und Lebensqualität
- Schutz der Knochendichte, Reduktion des Osteoporose-Risikos
- Behandlung von urogenitalen Beschwerden (GSM)
- Bei früher Menopause: Ausgleich physiologischer Defizite
- Möglicher positiver Effekt auf Herz-Kreislauf-Gesundheit bei frühem Beginn
Mögliche Risiken · was zu bedenken ist
- Erhöhtes Thromboserisiko (bei transdermaler Anwendung deutlich geringer als bei oraler)
- Leichte Erhöhung des Brustkrebsrisikos bei längerer Anwendung
- Nicht bei aktivem hormonabhängigem Tumor
- Vorsicht bei kardiovaskulären Vorerkrankungen
- Regelmäßige Kontrollen (jährlich) erforderlich
- Individuelle Abwägung — nicht für jede Frau geeignet
Was die Studienlage zeigt
Unsere Empfehlungen basieren auf aktuellen Leitlinien und großen wissenschaftlichen Studien. Als Mitglied der Deutschen Menopause Gesellschaft und durch die jährliche Teilnahme am Kongress bleiben wir auf dem aktuellen Stand.
S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause"
Die aktuelle deutsche Leitlinie liefert strukturierte Empfehlungen zur Diagnostik, Aufklärung und Therapie. Grundlage unserer klinischen Entscheidungen.
Timing-Hypothese · Nachfolge-WHI
Zeigt: Bei Therapiebeginn nahe der Menopause (unter 60 Jahren, weniger als 10 Jahre nach letzter Regel) und ohne Kontraindikationen überwiegt der Nutzen einer HRT häufig deutlich.
IMS Guidelines 2024
Aktuelle internationale Standards: Bioidentische Hormone transdermal + mikronisiertes Progesteron als Präferenz bei geeigneter Indikation — günstiges Sicherheitsprofil.
NAMS Position Statement 2022
Bekräftigt: Transdermales Estradiol reduziert das Thromboserisiko gegenüber oraler Anwendung deutlich. Progesteron mikronisiert ist Präferenz gegenüber synthetischen Gestagenen.
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