Ganzheitliche Medizin
Fortbildung zu integrativen und erfahrungsmedizinischen Therapieansätzen an der School of Holistic Medicine, Istanbul. Hier fassen wir zusammen, welche Themen behandelt wurden — und wie sie aus heutiger Sicht einzuordnen sind.
Zur Einordnung: Viele der hier beschriebenen Ansätze beruhen auf Erfahrungswissen. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht oder nur begrenzt belegt. Sie ersetzen keine leitliniengerechte Diagnostik und Behandlung — und sind kein Heilversprechen.
Ganzheitliche Medizin bedeutet, den Menschen als Ganzes zu betrachten — mit Beschwerden, Lebenssituation und Vorgeschichte. Integrative Ansätze verbinden die Schulmedizin mit ergänzenden, meist erfahrungsmedizinischen Verfahren.
Zur Fortbildung gehört ein Mentoring-Programm: In regelmäßigen Fallkonferenzen werden anonymisierte Fallbeispiele besprochen.
Die integrativen Behandlungsangebote der Praxis sind auf vitalbodensee.com (öffnet in neuem Tab) beschrieben.
Infusionstherapie
Bei der Infusionstherapie werden Vitamine, Mineralstoffe oder Aminosäuren über die Vene verabreicht. Medizinisch begründet ist das vor allem bei einem nachgewiesenen Mangel, wenn Tabletten nicht ausreichen oder nicht vertragen werden. Darüber hinaus werden Infusionen in der Erfahrungsmedizin eingesetzt.
- Inhalte der Fortbildung: Zusammensetzung, Dosierung, Verträglichkeit und Sicherheitsprüfungen vor einer Infusion (z. B. Nierenfunktion, Ausschluss eines G6PD-Mangels vor hochdosiertem Vitamin C).
- Grenzen: Ein Nutzen über den Ausgleich eines nachgewiesenen Mangels hinaus ist für viele Wirkstoffe nicht ausreichend belegt.
- Mögliche Nebenwirkungen: Reizungen an der Einstichstelle, Kreislaufreaktionen, selten allergische Reaktionen.
Einordnung: Infusionen ersetzen keine Diagnostik und keine leitliniengerechte Behandlung. Ob eine Behandlung infrage kommt — inklusive Risiken, Alternativen und Kosten — wird vorab persönlich besprochen.
Kinderwunsch & Nährstoffe
Bei unerfülltem Kinderwunsch steht die ärztliche Abklärung beider Partner im Vordergrund. In der Fortbildung wurde die Rolle von Nährstoffen diskutiert:
- Folsäure: Gut belegt und empfohlen ist die Einnahme von 400 µg Folsäure täglich, idealerweise ab vier Wochen vor der Empfängnis — zum Schutz vor Neuralrohrdefekten.
- Weitere Nährstoffe: L-Carnitin, Antioxidantien (z. B. Vitamin C), Zink und Selen werden in der Erfahrungsmedizin für Eizell- und Spermienqualität diskutiert. Dass sie die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen, ist bisher nicht sicher belegt.
- Lebensstil: Nicht rauchen, wenig Alkohol und ein gesundes Körpergewicht können die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen.
- Zeitpunkt der Abklärung: Bleibt eine Schwangerschaft nach 12 Monaten aus (ab 35 Jahren nach 6 Monaten), ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Einordnung: Nährstoffe ersetzen keine Kinderwunsch-Diagnostik. Mehr dazu auf unserer Seite Kinderwunsch.
Endometriose
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Grundlage der Behandlung sind Schmerztherapie, hormonelle Therapie und gegebenenfalls eine Operation. In der integrativen Medizin werden zusätzlich begleitende Verfahren eingesetzt:
- Curcumin: Ein Inhaltsstoff der Kurkumawurzel, der in Labor- und Tierstudien auf entzündungshemmende Eigenschaften untersucht wird. Ein Nutzen bei Endometriose ist beim Menschen nicht belegt.
- Antioxidantien, Magnesium: Werden erfahrungsmedizinisch begleitend eingesetzt; die Studienlage ist begrenzt.
- Akupunktur: Wird zur Schmerzlinderung eingesetzt; die Studienlage ist uneinheitlich.
- Ozon-Insufflation: Für eine Wirkung bei Endometriose liegen keine aussagekräftigen Studien vor.
Einordnung: Ergänzende Verfahren können die leitliniengerechte Behandlung nicht ersetzen. Mehr zur Diagnostik und Behandlung auf unserer Seite Endometriose.
PMS & Wechseljahre
Hormonelle Veränderungen begleiten Frauen durch verschiedene Lebensphasen. In der Fortbildung wurden Nährstoffe besprochen, die in diesem Zusammenhang häufig genannt werden:
- Vitamin B6: Ist an Stoffwechselprozessen im Nervensystem beteiligt. Bei PMS gibt es Hinweise auf einen begrenzten Nutzen; hohe Dosen über längere Zeit können Nervenschäden verursachen.
- Magnesium: Ist an Muskel- und Nervenfunktion beteiligt; der Nutzen bei PMS ist nicht sicher belegt.
- Calcium und Vitamin D: Nach den Wechseljahren steigt das Osteoporose-Risiko. Eine ausreichende Versorgung ist für die Knochengesundheit wichtig.
Einordnung: Bei Wechseljahresbeschwerden ist die Hormontherapie gut untersucht; Nutzen und Risiken werden individuell abgewogen. Nicht-hormonelle und pflanzliche Möglichkeiten besprechen wir ebenfalls. Mehr dazu unter Wechseljahre.
Schilddrüse & Hashimoto
Schilddrüsenerkrankungen — insbesondere die Hashimoto-Thyreoiditis — betreffen Frauen deutlich häufiger als Männer. Besprochen wurde die Rolle einzelner Nährstoffe:
- Selen: Ein Spurenelement, das für Schilddrüsen-Enzyme benötigt wird. Die Studienlage bei Hashimoto ist uneinheitlich; eine routinemäßige Einnahme wird nicht allgemein empfohlen.
- Vitamin D: Ein Mangel sollte — wie bei allen Menschen — ausgeglichen werden.
- Vitamin B12: Bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse tritt ein B12-Mangel häufiger auf. Ein Mangel sollte per Blutwert bestätigt werden.
Einordnung: Die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen erfolgt hausärztlich bzw. endokrinologisch. Nährstoffe ersetzen keine Hormoneinstellung.
Eisenmangel bei Frauen
Eisenmangel ist einer der häufigsten Nährstoffmängel bei Frauen — bedingt durch Menstruation, Schwangerschaft und oft unzureichende Zufuhr über die Ernährung:
- Mögliche Anzeichen: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Haarausfall, brüchige Nägel und blasse Haut können auf einen Eisenmangel hinweisen — auch wenn das Blutbild noch unauffällig ist. Entscheidend sind Laborwerte wie Ferritin und Transferrinsättigung.
- Tabletten oder Infusion: In der Regel wird Eisen zunächst als Tablette eingenommen. Eine Eiseninfusion ist bei nachgewiesenem Mangel eine schulmedizinische Option, wenn Tabletten nicht ausreichen oder nicht vertragen werden.
- Vitamin C: Kann die Aufnahme von Eisen aus Tabletten und Nahrung im Darm verbessern.
Einordnung: Mehr zu Ursachen, Diagnostik und Behandlung im Gesundheitstipp Eisenmangel bei Frauen.
Vitamin-C-Hochdosis-Infusion
Vitamin C (Ascorbinsäure) ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt. Über die Vene verabreicht werden höhere Blutspiegel erreicht als bei Einnahme als Tablette:
- Funktionen im Körper: Vitamin C ist an Immunprozessen, an der Kollagenbildung (Haut, Bindegewebe, Gefäße) und am antioxidativen Schutz beteiligt.
- Studienlage: Für die Hochdosis-Infusion bei Erschöpfung oder Infektanfälligkeit ist ein Nutzen nicht ausreichend belegt.
- Sicherheit: Vor einer hochdosierten Gabe wird ein G6PD-Mangel ausgeschlossen; bei Nierenerkrankungen ist Vorsicht geboten.
Einordnung: Erfahrungsmedizinisches Verfahren — Dosierung und Indikation werden ärztlich und individuell festgelegt.
Ozontherapie
Bei der Ozon-Eigenblutbehandlung (auch Ozon-Hochdosis-Therapie) wird eine kleine Menge Blut entnommen, mit medizinischem Ozon angereichert und zurückgeführt:
- Erfahrungsmedizin: Die Ozontherapie wird in der Naturheilkunde seit Jahrzehnten eingesetzt. Aussagekräftige Studien zu ihrem Nutzen fehlen für die meisten Anwendungen.
- Anwendungsformen: Neben der Eigenblutbehandlung gibt es lokale Anwendungen, etwa als Insufflation.
- Gynäkologische Erkrankungen: Infektionen und andere gynäkologische Erkrankungen werden leitliniengerecht behandelt. Für eine Wirkung der Ozon-Insufflation liegen hier keine ausreichenden Belege vor.
- Risiken: Ozon darf nicht eingeatmet werden. Bei der Eigenblutbehandlung sind Kreislaufreaktionen und Reizungen an der Einstichstelle möglich.
Einordnung: Informationen zur Ozontherapie finden Sie auf vitalbodensee.com (öffnet in neuem Tab).
Curcumin
Curcumin ist ein Polyphenol aus der Gelbwurzel (Curcuma longa). Es wird in Labor- und Tierstudien auf entzündungshemmende Eigenschaften untersucht:
- Studienlage: Ein Nutzen beim Menschen ist für die meisten Anwendungen nicht ausreichend belegt — eine Heilwirkung lässt sich daraus nicht ableiten.
- Intravenöse Gabe: Zur Gabe als Infusion liegen nur wenige Daten vor; es wurden Einzelfälle schwerer Unverträglichkeitsreaktionen berichtet.
- Wechselwirkungen: Curcumin kann die Wirkung einiger Medikamente beeinflussen, z. B. von Blutverdünnern.
Einordnung: Erfahrungsmedizinischer Ansatz — Indikation, Dosierung und Verträglichkeit müssen individuell und kritisch geprüft werden.
NAD+
NAD+ (Nicotinamidadenindinukleotid) ist ein Coenzym im Energiestoffwechsel der Zellen und Gegenstand aktueller Forschung. Der körpereigene NAD+-Spiegel nimmt mit dem Alter ab:
- Forschungsfeld: NAD+ und Sirtuine sind Themen der Alterungsforschung. Eine therapeutische Wirkung beim Menschen lässt sich daraus bisher nicht ableiten.
- Infusion: Die NAD+-Infusion ist ein erfahrungsmedizinisches Konzept; die Studienlage ist noch begrenzt.
- Beratung: Ob eine Infusion infrage kommt, wird ausführlich vorab besprochen — inklusive Risiken, Alternativen und Kosten.
Stress & Schlaf
Anhaltender Stress, innere Unruhe und Schlafstörungen betreffen viele Frauen — besonders auch in den Wechseljahren. Besprochen wurden:
- Vitamin B6: Wird für die Bildung von Botenstoffen wie Serotonin benötigt, aus dem Melatonin entsteht. Ein Nutzen einer Einnahme für den Schlaf ist bei ausreichender Versorgung nicht belegt.
- Magnesium: Ist an Muskel- und Nervenfunktion beteiligt. Ob eine Einnahme den Schlaf verbessert, ist nicht sicher belegt.
- Akupunktur: Die Ohrakupunktur (NADA-Protokoll) wird begleitend bei Schlafstörungen und innerer Unruhe eingesetzt; die Studienlage ist begrenzt.
Einordnung: Bei anhaltenden Schlafstörungen sollten Ursachen abgeklärt werden. Gut untersucht sind Schlafhygiene und die kognitive Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen.
Darmgesundheit
Der Darm ist ein wichtiger Teil des Immunsystems und steht über die sogenannte Darm-Hirn-Achse mit dem Nervensystem in Verbindung. In der Fortbildung wurden verschiedene Konzepte besprochen:
- „Leaky Gut“: Der Begriff für einen „durchlässigen Darm“ wird in der Erfahrungsmedizin häufig verwendet. Als eigenständiges Krankheitsbild ist er wissenschaftlich nicht anerkannt.
- Reizdarm und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Das Reizdarmsyndrom ist keine Entzündung des Darms. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) sind davon klar zu unterscheiden und gehören in gastroenterologische Behandlung. Bestimmte Probiotika können beim Reizdarm Beschwerden lindern; die Studienlage ist uneinheitlich.
- Darmflora und Hormone: Die Darmflora beeinflusst auch den Östrogen-Stoffwechsel. Das ist ein Forschungsfeld; praktische Konsequenzen sind bisher unklar.
- Histaminintoleranz: Das Enzym DAO, das Histamin abbaut, wird in der Darmschleimhaut gebildet. Die Diagnose einer Histaminintoleranz ist schwierig und wissenschaftlich umstritten.
Einordnung: Anhaltende Darmbeschwerden, Blut im Stuhl oder ungewollter Gewichtsverlust gehören hausärztlich bzw. gastroenterologisch abgeklärt. Ab 50 Jahren gehört die Darmkrebsfrüherkennung zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm.
HPV und Immunsystem — was bekannt ist
Eine HPV-Infektion (Humane Papillomviren) ist sehr häufig und heilt in den meisten Fällen von selbst aus. Eine Behandlung, die HPV gezielt beseitigt, gibt es bisher nicht. Wichtig sind die regelmäßige Krebsfrüherkennung, die Abklärung auffälliger Befunde und die HPV-Impfung.
- Nicht rauchen: Rauchen erhöht das Risiko, dass eine HPV-Infektion bestehen bleibt — das ist gut belegt.
- Vitamin D und Folat: Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge zwischen einem Mangel und einer länger bestehenden HPV-Infektion. Dass eine Einnahme HPV beseitigt oder Zellveränderungen verhindert, ist nicht belegt.
- Vitamin C und Zink: Sind am Immunsystem beteiligt; ein Nutzen bei HPV ist nicht belegt.
- Ozon-Insufflation: Ist keine Behandlung von HPV oder Zellveränderungen (Dysplasien). Eine Wirkung ist nicht belegt; sie ersetzt keine leitliniengerechte Abklärung.
Einordnung: Bei einem positiven HPV-Test oder auffälligem Zellabstrich erfolgen Kontrollen und gegebenenfalls eine Kolposkopie nach Leitlinie. Mehr dazu in unserer Dysplasiesprechstunde.
Fragen zu ergänzenden Verfahren?
Informationen zu den integrativen Angeboten der Praxis finden Sie auf vitalbodensee.com. Für die gynäkologische Abklärung und Beratung erreichen Sie uns telefonisch oder per Nachricht.

