Zum Inhalt springen

Fortbildung 2026

66. DGGG-Kongress München

Drei Tage Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Was besprochen wurde und was es für Ihre Betreuung bedeutet.

  • 3 Tage21.–23. Oktober 2026
  • MünchenICM
  • 8 Themenkurz erklärt

Alle zwei Jahre trifft sich die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) zu ihrem Kongress, diesmal in München unter dem Motto „Unsere Zukunft mit Wissenschaft – Die Frau im Blick“. Ich war vom 21. bis 23. Oktober dort. Unten finden Sie die Themen, die mir für unsere Patientinnen wichtig erscheinen – mit dem, was neu ist, und was es praktisch bedeutet.

Was beschäftigt Sie gerade?

Thema 1

Wechseljahre und Hormone

Ein eigener Hauptvortrag widmete sich Nutzen und Risiken der Hormontherapie und zeigte, wie stark beides von der Art der Anwendung abhängt. Daneben ging es um die neuen hormonfreien Medikamente gegen Hitzewallungen.

Neu aus der Fortbildung
  • Östrogen über die Haut – als Gel, Spray oder Pflaster – ist nach aktuellem Kenntnisstand mit einem geringeren Thromboserisiko verbunden als die Tablette.
  • Auch das Gestagen, das Frauen mit Gebärmutter zum Schutz der Schleimhaut brauchen, macht einen Unterschied: Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass körperidentisches Progesteron für das Brustkrebsrisiko günstiger sein könnte als manche synthetischen Gestagene. Abschließend geklärt ist das nicht.
  • Gegen Hitzewallungen gibt es inzwischen zwei hormonfreie Medikamente einer neuen Wirkstoffgruppe, die an der Wärmeregulation im Gehirn ansetzt. Eines davon kommt auch während einer antihormonellen Brustkrebsbehandlung infrage.

Der Zeitpunkt zählt

Bei gesunden Frauen, die vor dem 60. Lebensjahr oder in den ersten zehn Jahren nach der letzten Regelblutung beginnen, überwiegt nach heutigem Wissen meist der Nutzen. Später oder bei Vorerkrankungen wird genauer abgewogen.

Auch hormonfreie Mittel brauchen Kontrollen

Bei einem der neuen Medikamente sind vor Beginn und in den ersten Behandlungsmonaten Kontrollen der Leberwerte vorgesehen. Hormonfrei heißt also nicht nebenwirkungsfrei.

Scheidentrockenheit lokal behandeln

Eine niedrig dosierte Östrogenbehandlung als Creme oder Zäpfchen wirkt vor Ort und wird kaum ins Blut aufgenommen. Sie kommt auch über längere Zeit infrage.

Für Sie heißt das

Eine pauschale Empfehlung für oder gegen Hormone gibt es nicht. Entscheidend sind Beschwerden, Alter, Zeitpunkt und Vorgeschichte – und die Frage, welches Hormon in welcher Form passt.

Thema 2

HPV und Gebärmutterhals

Für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs gilt seit 2020 ein organisiertes Programm, an dessen Leitlinie die DGGG federführend beteiligt ist. Auf dem Kongress ging es vor allem darum, Befunde richtig einzuordnen, ohne Frauen unnötig zu verunsichern.

Zellabstrich und HPV-Test

Ab 35 werden beide Untersuchungen kombiniert, davor steht der Zellabstrich im Vordergrund. Zusammen geben sie ein genaueres Bild als eine allein.

HPV-positiv ist keine Krebsdiagnose

Die meisten Frauen haben irgendwann im Leben eine HPV-Infektion, bei den meisten heilt sie innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst aus. Ist der Zellabstrich unauffällig, wird deshalb meist nach einem Jahr erneut getestet.

Was bei einer Kolposkopie passiert

Bleibt der HPV-Befund bestehen oder ist der Zellabstrich deutlich auffällig, wird der Gebärmutterhals mit einer Vergrößerungsoptik betrachtet. Bei Bedarf wird eine kleine Gewebeprobe entnommen. Viele leichte Zellveränderungen bilden sich von selbst zurück.

Impfen – auch noch als Jugendliche

Empfohlen ist die Impfung für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren; versäumte Impfungen sollen bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Ob sie später oder nach einer Behandlung am Gebärmutterhals sinnvoll ist, lässt sich im Einzelfall klären.

Für Sie heißt das

Ein auffälliger Befund ist ein Grund zur Abklärung, nicht zur Sorge. In vielen Fällen genügen Kontrollen in Abständen.

Thema 3

Endometriose, Zyklus und PCO

Zwei häufige Zyklus-Themen hatten viel Raum. Bei der Endometriose ist der Weg zur Diagnose kürzer geworden, beim PCO-Syndrom verändert sich das Verständnis der Erkrankung – bis hin zum Namen.

Neu aus der Fortbildung
  • Nach der 2025 aktualisierten Leitlinie ist ein gezielter Ultraschall die Standard-Erstuntersuchung bei Verdacht auf Endometriose. Eine Bauchspiegelung ist für die Diagnose nicht mehr grundsätzlich nötig, eine Behandlung kann auch ohne sie beginnen.
  • Für das PCO-Syndrom wird ein neuer Name diskutiert: „polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom“ (PMOS). Er macht deutlich, dass es nicht um Zysten geht, sondern um Hormone und Stoffwechsel.

Starke Regelschmerzen sind nicht normal

Wenn Schmerzen den Alltag einschränken oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Stuhlgang hinzukommen, kann eine Endometriose dahinterstecken. Ein unauffälliger Ultraschall schließt sie nicht sicher aus, kleine Herde am Bauchfell bleiben oft unsichtbar.

Was der neue Blick auf PCO praktisch bedeutet

Neben Zyklus, Haut und Haaren gehören Blutzucker, Blutfette und Blutdruck zur Abklärung und zur langfristigen Begleitung, weil das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht ist.

Behandlung nach Lebensphase

Ob Schmerzlinderung, ein regelmäßiger Zyklus oder ein Kinderwunsch im Vordergrund steht, bestimmt den Weg. Bei Endometriose ist eine hormonelle Behandlung, meist mit einem Gestagen, die erste Wahl.

Für Sie heißt das

Starke Regelschmerzen oder ein sehr unregelmäßiger Zyklus sind ein Grund, genauer hinzuschauen – auch wenn die Beschwerden schon lange bestehen. Beim PCO-Syndrom lohnt der Blick über die Eierstöcke hinaus.

Thema 4

Brustgesundheit

Kurz vor dem Kongress haben die DGGG und die Deutsche Gesellschaft für Senologie gemeinsam verlässliche Rahmenbedingungen für eine moderne, an Leitlinien orientierte Brustkrebsbehandlung gefordert. Inhaltlich ging es um Früherkennung, Behandlung und die Zeit danach.

Neu aus der Fortbildung
  • Die überarbeitete S3-Leitlinie zum Brustkrebs (Januar 2026) setzt stärker darauf, Behandlungen dort zu verringern, wo sie keinen zusätzlichen Nutzen bringen. Gewebetests helfen zum Beispiel einzuschätzen, ob eine Chemotherapie überhaupt nötig ist.
  • Das Mammographie-Screening-Programm lädt seit Juli 2024 Frauen bis 75 Jahre ein; vorher endete es mit 69.

Früherkennung nach Alter und Risiko

Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von Alter, Brustgewebe und persönlicher Situation ab.

Familiäre Belastung ansprechen

Sind in der Familie Brust- oder Eierstockkrebs aufgetreten, kann eine Beratung in einem spezialisierten Zentrum sinnvoll sein.

Veränderungen zeitnah abklären

Neue Knoten, Hautveränderungen oder Absonderungen aus der Brustwarze sollten ärztlich angesehen werden – auch zwischen zwei Screening-Terminen.

Die Zeit nach der Behandlung

Auch nach einer Brustkrebsbehandlung bleiben Fragen, etwa zu Wechseljahresbeschwerden oder Verhütung. Hormone sind dann oft nicht möglich, es gibt aber andere Wege.

Für Sie heißt das

Brustkrebs wird heute stärker auf den einzelnen Tumor zugeschnitten behandelt, manches lässt sich weglassen, was früher Standard war. Für die Früherkennung zählen das persönliche Risiko und die Einladung zum Screening zwischen 50 und 75.

Thema 5

Kaiserschnitt und die Geburt danach

Kurz vor dem Kongress hat die DGGG die S3-Leitlinie zum Kaiserschnitt aktualisiert. Sie behandelt Aufklärung, Indikation und Durchführung – und ausdrücklich auch die Schwangerschaften, die danach folgen.

Neu aus der Fortbildung
  • Vor einem ersten Kaiserschnitt sollen Schwangere verständlich über Vor- und Nachteile der Geburtswege informiert und aktiv in die Entscheidung einbezogen werden – auch mit Blick auf spätere Schwangerschaften, für die ein Kaiserschnitt Risiken mit sich bringt.
  • Ein neues Kapitel behandelt das Einwachsen der Plazenta in die Gebärmutterwand (Placenta-accreta-Spektrum), dessen Risiko nach einem Kaiserschnitt steigt. Bei Verdacht soll die Betreuung in einem geeigneten Zentrum erfolgen.
  • Für die Naht der Gebärmutter gibt es neue Empfehlungen, die einer Nische in der Kaiserschnittnarbe vorbeugen sollen.

Natürliche Geburt nach Kaiserschnitt

Sie gilt als vertretbarer Weg und gelingt in den meisten Fällen. Das Risiko für Komplikationen ist etwas erhöht, insgesamt aber niedrig. Die Geburt soll in einer Klinik stattfinden, in der jederzeit ein Notkaiserschnitt möglich ist.

Erfahrungen und Ängste zählen

Erlebnisse aus der letzten Geburt, Erwartungen und Geburtsängste sollen in die Beratung einfließen. Bei starker Belastung kann eine spezialisierte Unterstützung sinnvoll sein.

Blutungen nach der Geburt

Ein eigener Programmpunkt galt dem früheren Erkennen starker Blutungen nach der Geburt und ihrer Behandlung nach festen Abläufen in den Geburtskliniken.

Für Sie heißt das

Wer schon einen Kaiserschnitt hatte, kann den Geburtsweg für das nächste Kind früh in der Schwangerschaft besprechen. Ein erneuter Kaiserschnitt ist nicht automatisch nötig.

Thema 6

Wiederholte Fehlgeburten

Im Sommer 2026 hat die DGGG die Leitlinie zu wiederholten Fehlgeburten umfassend aktualisiert. Sie stellt klar, welche Untersuchungen sinnvoll sind – und welche Behandlungen ohne passenden Befund nicht weiterhelfen.

Neu aus der Fortbildung
  • Eine weiterführende Abklärung kann schon nach zwei Fehlgeburten sinnvoll sein. Entschieden wird individuell, etwa nach Alter und Kinderwunsch-Situation des Paares.
  • Der Partner wird ausdrücklich einbezogen, zum Beispiel mit einer Untersuchung der Samenqualität.
  • Heparin ist ohne nachgewiesene Gerinnungsstörung nicht angezeigt. Für ASS, allein oder zusammen mit Heparin, zeigte sich bei ungeklärter Ursache kein Vorteil für die Chance auf eine Lebendgeburt.

Wonach gesucht wird

Untersucht werden unter anderem genetische Ursachen, die Form der Gebärmutter, Hormonstörungen und ein Antiphospholipid-Syndrom. Wenn möglich, wird auch das Gewebe der Fehlgeburt genetisch untersucht.

Behandlung nur mit Befund

Therapien sollen gezielt bei einer gefundenen Ursache eingesetzt werden. Bleibt die Ursache offen, haben viele Paare trotzdem gute Aussichten auf eine erfolgreiche nächste Schwangerschaft.

Seelische Belastung gehört dazu

Wiederholte Fehlgeburten belasten oft sehr. Psychosomatische oder psychotherapeutische Unterstützung ist nach der Leitlinie bei Bedarf Teil der Betreuung.

Für Sie heißt das

Nach wiederholten Fehlgeburten ist eine strukturierte Abklärung bei beiden Partnern möglich. Viele angebotene Behandlungen helfen ohne passenden Befund nicht – das zu wissen, kann vor unnötigen Belastungen schützen.

Thema 7

Verhütung

Verhütung war ein eigener Programmpunkt des Kongresses. Viele Frauen fragen heute gezielt nach Methoden ohne Hormone, und die Unterschiede zwischen den Methoden sind größer, als oft angenommen.

Hormonfrei, aber mit Unterschieden

Die Kupferspirale verhütet sehr zuverlässig. Barrieremethoden und Zyklusbeobachtung sind deutlich fehleranfälliger und verlangen eine konsequente Anwendung.

Spirale auch ohne vorherige Geburt

Nach den aktuellen Leitlinien kommen Kupfer- und Hormonspirale ausdrücklich auch für junge Frauen infrage, die noch keine Kinder haben.

Nebenwirkungen offen ansprechen

Stimmungsveränderungen, Blutungsstörungen oder Libidoverlust unter hormoneller Verhütung sind ein häufiger Grund zu wechseln. Meist gibt es eine Alternative, die besser passt.

Beratung im Verlauf

Was mit 20 gut passt, passt mit 40 vielleicht nicht mehr – etwa wenn Rauchen, Bluthochdruck oder ein höheres Thromboserisiko hinzukommen.

Für Sie heißt das

Die passende Methode hängt von Lebensphase, Gesundheit und eigenen Wünschen ab – und darf sich im Lauf des Lebens ändern.

Thema 8

Beckenboden und Blase

Eine eigene Sitzung widmete sich modernen Beckenbodentherapien. Blasenschwäche und Senkungsbeschwerden betreffen viele Frauen, gesprochen wird darüber selten.

Häufig und behandelbar

Nach Geburten und in den Wechseljahren nehmen die Beschwerden zu. Viele Frauen sprechen sie aus Scham nicht an.

Training als erster Schritt

Gezieltes Beckenbodentraining, möglichst unter physiotherapeutischer Anleitung, ist die Grundlage der Behandlung.

Hilfsmittel und lokale Behandlung

Ein Pessar kann eine Senkung stützen. Eine lokale Östrogenbehandlung kann in den Wechseljahren das Gewebe unterstützen.

Operation erst, wenn nötig

Reichen diese Schritte nicht aus, gibt es operative Möglichkeiten in spezialisierten Zentren. Die Entscheidung trifft man in Ruhe.

Für Sie heißt das

Blasenschwäche und Senkungsbeschwerden sind keine Frage des Alters, die man hinnehmen muss. Am Anfang steht meist gezieltes Training.

Mein Eindruck

Aufgefallen ist mir, wie viele Vorträge sich mit Beschwerden beschäftigt haben, über die Frauen ungern sprechen: starke Regelschmerzen, Wechseljahre, Blasenschwäche. Das nehme ich mit in die Sprechstunde und frage dort öfter gezielt nach.

Bei der Gebärmutterhals-Früherkennung hat mich bestärkt, wie wichtig ein ruhiges Gespräch nach einem auffälligen Befund ist. Viele leichte Zellveränderungen bilden sich von selbst zurück, die Sorge ist aber erst einmal da.

Grundlage: eigene Teilnahme am Kongress, Programm und Mitteilungen der DGGG sowie die aktuellen Leitlinien zu Kaiserschnitt (2026), wiederholten Fehlgeburten (2026), Brustkrebs (2026) und Endometriose (2025). Die Informationen ersetzen kein persönliches Gespräch.

Alle Fortbildungen